Veranstaltung

Klassiker des Monats Januar: Zoo Tycoon, Blue Fang Games, Microsoft Game Studios 2001, PC & Macintosh

Mittwoch, 1. Januar, 2020
Der persönliche Klassiker präsentiert von Nicole Hanisch

Zoo Tycoon lernte ich an langen Wochenenden und Ferientagen kennen und lieben. Gemeinsam mit meiner jüngeren Schwester spielte ich abwechselnd Zoodirektorin oder Besucher*innen-Managerin. Wir waren allmächtige Gebieterinnen über unsere kleine Tierparkwelt - bis uns das Geld oder die Lust ausgingen und wir wieder nach draußen in die richtige Natur gingen.

Zoo Tycoon war meine erste „große” Wirtschaftssimulation, die mich lehrte auf die Bedürfnisse meiner Figürchen, ob Tier, Pfleger*in oder Besucher*in zu achten, da ich nur durch ihre maximale Bedürfniserfül- lung zum Ziel gelangen konnte. Gemeinsam mit meiner Schwester gab ich den Tieren Namen, baute ihre kleinen Gehege aus, schmückte diese und kümmerte mich darum, dass die Besucher*innen ihr Geld in meinem Zoo ließen.
Dabei ist natürlich fraglich, wie realitätsnah dieser ganze Prozess wirklich ist. Im zarten Jugendalter hat es mich aber eher fasziniert, den perfekten Lebensraum für meine Gazellen, Bären und Löwen zu schaffen, um sie zur Fortpflanzung zu bewegen, um so immer mehr Schaulustige anzulocken, immer mehr Geld einzunehmen, wodurch ich besondere Tiere, Gehegebauteile oder wichtige Elemente für meine Besucher*innen freischalten konnte.

Die neueren Zoo-Simulationen, beispielsweise von Frontier Development, sind dagegen schon realistischer und komplexer, hätten mich in meiner Jugend als Einstieg vermutlich aber auch abgeschreckt.
In Zoo Tycoon freute ich mich immer wieder auf’s Neue über jedes frischgeborene oder erworbene Tier und trauerte um jenes an Altersschwäche gestorbenen. Dass ich dabei Tiere nur um des Seltenheitsgrades oder ihrer Ästhetik wegen ohne ihre natürlichen Bedürfnisse zu beachten oder mich um den Artenschutz zu kümmern
zur Schau stellte, war mir noch nicht klar und war auch in diesem älteren Vertreter einer Zoo-Simulation nicht von Belang.
Doch meine Schwester und mich begeisterte die Möglichkeit Tiere zu verwalten, die wir nur selten zu Gesicht bekamen oder die in der echten Welt schon längst ausgestorben waren.

Simulationen, wie hier im Falle eines Tierparks, eröffnen die Möglichkeit sowohl reale, ausgestorbene, als auch fantastische Tiere anzusiedeln, was mich als tierverliebtes Kind begeistert und geprägt hat. Gerade wenn man selbst keine, nur wenige oder eben keine extravaganten Haustiere wie einen Schneeleoparden haben durfte, war es sehr befriedigend dem kleinen Leoparden einen Namen zu geben, ein tolles Gehege zu bauen und dann sein langes Leben zu verfolgen.
Zoo-Simulationen machten wie wohl alle Spiele-Genres eine Entwicklung durch und sind heute meist kritischer und vielschichtiger. Mit Zoo Tycoon verbinde ich viele gute und nostalgische Erinnerungen, auch wenn ich neuere Titel als die besseren ansehe, da sie mehr auf das digitale Tierwohl bedacht sind.
Ort: Computerspielemuseum
Tag: 1. Januar, 2020
Zeit: 13:39 Uhr
Kontakt
Computerspielemuseum
Karl-Marx-Allee 93a
10243 Berlin

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