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Der persönliche Klassiker im Juli / August: Life is Strange (2015)

Mittwoch, 1. Juli, 2020
Präsentiert von Konstantin Wach

Ich habe nie viel Wert auf die Geschichte eines Videospiels gelegt. Sie war für mich ein notwendiger roter Faden, der Schießpassagen miteinander verbindet, ein Rahmen für die interessanten Spielmechaniken oder Herausforderungen. So war ich auch Anfang der 2010er skeptisch, als eine neue Art von Adventure-Games an Prominenz gewann. Das Gameplay dieser Games beinhaltete kaum mehr, als Dialoge zu führen und zwischendurch aus einer Handvoll festgelegter Handlungsoptionen zu wählen. „Nun werden den Adventures auch noch die Rätsel genommen?“, dachte ich mir.

Meine glückselige Ignoranz dauerte bis November 2015 an, als ich viel Langeweile und ungenutztes Guthaben auf meinem Steam-Konto hatte. Beim Browsen im Shop viel mir Life is Strange auf. Ich wusste bereits aus der Presse, dass das Spiel gute Bewertungen erhalten hatte und wagte es, die erste Episode des Spiels zu kaufen, welches wie eine Fernsehserie auf fünf Folgen aufgeteilt ist. Einen Tag später beendete ich mit Tränen in den Augen Life is Strange.

Dieses Game ist in erster Linie ein wundervolles narratives Erlebnis. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Videospiel in diesem Bereich Serien und Filmen Konkurrenz machen kann, doch genau das tut Life is Strange. Sofort zog es mich durch die dichte Atmosphäre in seinen Bann. Zum großen Teil ist der ausgezeichnete Soundtrack dafür verantwortlich. Die Lieder passen immer perfekt zu der Szenerie sowie der Stimmung der Figuren und unterstreichen machtvoll Wendepunk- te in der Geschichte. Bis heute hat der Soundtrack einen festen Platz auf meinem MP3-Player.

Die Charaktere, auch wenn manchmal kitschig, sind immer liebevoll geschrieben. Sie entfalten im Laufe der Geschichte ihre Tiefe und vermeiden oft die üblichen Klischee-Fallen. Auch mit scheinbaren Nebencharakteren unterhielt ich mich immer gern. Zu der Story selbst will ich nicht viel verraten. Die auf den ersten Blick typische Coming- of-Age-Geschichte wird hier schnell auf den Kopf gestellt und hält bis zuletzt einige Überraschungen parat. Die Entwickler*innen von Dontnod Entertainment bedienen sich bei Filmen und Serien wie Donnie Darko oder Twin Peaks, remixen die Einflüsse aber immer kreativ und spannend.

Nicht alle Puzzlestücke von Life is Strange sind perfekt. Die Grafik war schon zur Veröffentlichung kaum zeitgemäß und gerade die steifen Gesichtsanimationen können in dramatischen Momenten unschön auffallen. Manchen Dialogen zwischen Teenager*innen merkt man an, dass sie von erwachsenen Männern geschrieben worden sind, die sich „der Jugend von heute“ annähern wollen. Doch zusammengefügt ergeben die einzelnen Teile etwas unperfektes Liebenswertes.
Life is Strange wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben, denn dieses Spiel hat mich zum Fühlen gebracht wie kein anderes zuvor und mir dabei eine neue Dimension der Spielerfahrung eröffnet.
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