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23.08.2008
Kunstwerk "Invaders!" abgeschaltet
Nach drei erfolgreichen Tagen im Rahmen unserer Ausstellung "30 Jahre Space Invaders" auf der GC Art ist das Werk ab heute abgeschaltet. Obwohl es von den Besuchern vorort und den Europäischen Medien (z.B. in einem Beitrag auf ARTE Kultur vom 21.8.2008) positiv aufgenommen wurde, brachte die kontroverse Debatte des Werks in den USA Douglas E. Stanley zu dieser Entscheidung. Wir respektieren diese und bedauern die Umstände, die ihn dazu veranlasst haben. Hier sein Statement von gestern:
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After three days of a steady downward spiral in public discussion of the piece, I have just given my agreement to the organizers of the Leipzig Games Convention to simply turn off the installation Invaders! While I realize the dangerous precedent of allowing the lowest common denominator dictate what is and is not a valid form of expression, unfortunately the current tone has totally obfuscated the original aims of the piece. While I take full responsibility for the uncomfortable ambiguity of certain aspects of this work, it was never created to merely provoke controversy for controversy's sake, and unfortunately, this is what the piece has now become. The American response to this work has been, frankly, immature, and lacking the sophistication and consideration that other parts of the world have so far shown the work. Contrary to previous reports, I am an American, and it saddens me that we as a people remain so profoundly unable to process this event outside of some obscure, but tacitly understood, criteria of purely anesthetized artistic representation. Due to these profound misunderstandings, I simply feel that from an artistic point of view, the work has lost the ability to have any valuable impact, poetic or otherwise. I have not been pressured by the Leipziger Messe, nor by the Computerspiele Museum in this decision -- to the contrary, they have offered their support in defending the right of artists to speak freely, and in whatever context they may choose.
Douglas Edric Stanley
Douglas Edric Stanley
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Weitere Informationen finden Sie auf dem blog des Künstlers http://www.abstractmachine.net/blog/30-years-of-invasions/
-----------Unser Kommentar-------------
Kommentar des Kurators Andreas Lange
(Computerspiele Museum) zu der Debatte über das Werk "Invaders!"
Berlin, 26.8.2008
Mit ausdrücklichem Bedauern haben
wir die Entscheidung des Künstlers Douglas E. Stanley zur
Kenntnis genommen, seine interaktive Installation "Invaders!"
im Rahmen unserer Ausstellung "Space Invaders. From Outer Space"
auf der GC Art abzuschalten. Da wir seine Entscheidung respektieren
und nachvollziehen können, sind wir seinem Entschluss am
22.8.2008 nachgekommen.
Wir waren uns bewusst, dass "Invaders!"
mit dem Attentat auf das World Trade Center ein noch nicht so lange
zurückliegendes zeithistorisches Ereignis und ein kontroverses
Thema aufgriff. Das tat es nicht um der bloßen Provokation
willen, sondern regte in differenzierter Weise zum Nachdenken an. Da
es Stanley mit "Invaders!" letztendlich um einen Aufruf zum
friedlichen Zusammenleben ging, der auch über das Thema 9/11
hinausgeht, sahen wir keinen Grund, sein Werk nicht zu zeigen, zumal
es seit 2001 in verschiedenen Versionen immer wieder gezeigt wurde.
Ein wichtiger Grund für die uns
alle überraschende Dynamik der Diskussion dürfte jedoch
Stanleys Benutzung eines der bekanntesten Icons für Videospiele
gewesen sein, die nachwievor rund um den Globus immer wieder in der
Kritik stehen, gewalt- und kriegsverherrlichend zu sein. Es spricht
für die Qualität von "Invaders!", dass es dem
Werk gelungen ist, dieses Klischee aufzugreifen, in ein komplexeres
Ganzes einzubeziehen und ihm so neue Bedeutung zu geben. Videospiele
sind dabei nicht die einzigen Medien, die Stanley in "Invaders!"
verwendete. Eine Collage aus US-amerikanischen Actionfilmen gehört
ebenfalls fest zur Installation.
Doch hat Stanley nicht nur die Motive
und Handlungsschemata aus einem bestimmten Videospiel entlehnt,
sondern die Installation auch für die Besucher spielbar gemacht.
Das ist konsequent in einer Mediengesellschaft, die - nicht zuletzt
durch die weite Verbreitung von Videospielen - jedem Einzelnen die
Möglichkeit zur Teilhabe gibt. Auch Besucher von
Kunstausstellungen werden so auf sich und ihre Erfahrungen mit dem
Werk zurückgeworfen, um ihm einen Sinn zu geben.
Für uns repräsentiert
"Invaders!" ein Kunstverständnis, das
selbstverständlich die uns umgebenden und für unser
gesellschaftliches Miteinander bestimmenden medialen Bilder,
Klischees und Handlungsmuster benutzt und thematisiert, um so zum
Nachdenken darüber anzuregen. Wie auch das Medium
Computerspiele, entzieht sich „Invaders!“dabei einem einfachen
Verständnis, das über bloße Betrachtung des
Geschehens auf dem Bildschirm zur verständigen Bewertung kommt.
Das Moment der Interaktion, der Teilhabe an dem Werk, ist das
zentrale Moment der medialen Revolution, die wir gerade erleben.
Computerspiele machen es bereits seit mehreren Jahrzehnten erfahrbar.
"Invaders!" befragt im Kern auch genau dieses Moment der
Interaktion. Es liegt in der Natur guter Kunst, dass sie uns immer
ein wenig früher und deutlicher als für alle verträglich
auf Diskurse hinweist, die uns als Gesellschaft angehen.
Ausstellungsfoto
"Invaders!" eingeschaltet

"Invaders!" ausgeschaltet
(auf der Leinwand das Statement des Künstlers)